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FACHLICH FÜR SCHWAMMKOPF
10. November 2009, 00:38
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LUSTIGER ZEITGENOSSE
10. November 2009, 00:36
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zwischenbericht: mt tamborine
21. September 2009, 23:28
Gespeichert unter: Auf der Reise

21.09.2009 07:30 (mez +8)

endstation für arachnophoben und philatelisten

hat man sich erst mal auf dem mt tamborine eingelebt, fallen einem zwei markante unterschiede zu europa auf. erstens: die wunderbare und farbenfrohe vegetation, eine flora wie man sie zu hause nie gesehen hat. und zweitens: die mindestens ebenso farbenfrohe tierwelt – genau so vielseitig und bunt wie die inneren organe welche bei den ausstellungsmodellen am strassenrand plakativ zur schau gestellt werden. es ist ein gutes gefühl in einer intakten welt zu leben. einer welt wo noch genügend tiere vorhanden sind, um schamlos überfahren zu werden. wenn auch an allen ecken und enden „drive careful: coalas & kangaroos“-schilder die landschaft zieren, sieht man doch nur in ausnahmefällen ein lebendiges exemplar. allein auf unserem arbeitsweg säumen mehr tote hasen, oposums und truthäne die fahrbahn, als es ungeniessbaren käse im regal des australischen supermarktes gibt – und das ist eine beachtliche anzahl.

in australien begegnen einem allerdings noch wesentlich unschönere dinge. achtbeiner mit übergrösse zum beispiel, welche arachnophoben kalten angstschweiss die stirn herunter laufen lassen… ich habe ihn persönlich erlebt, diesen unschönen schweiss. bei der garten arbeit hat es mich überrascht. wobei „es“ situationsbezogen wesentlich harmloser klingt als „es“ in wirklichkeit war. „es“ wäre vielleicht angebracht beim beschreiben einer biene, eines marienkäfers oder meinetwegen eines kugelschreiber langen regenwurms. aber keineswegs umschreibt „es“ die schreckliche erscheinung, welche meinen pulsschlag in die höhe trieb. beim entfernen hartnäckiger effeurückstände, eingeklemmt zwischen einem wassertank, dem überwachsenen schuppen und palmenartigen sträuchern, ist sie mir begegnet. eine spinne der gattung huntsman, faustgross – und ich spreche hier nicht von kinderfäusten. nur wenige zentimeter vor meinem gesicht hat sie halt gemacht und mich mit ihren hosenknopf grossen augen skeptisch gemustert. das sie mich angefaucht hat ist kaum zu glauben. wäre aber auch gelogen. und trotzdem hatte ich das gefühl, einen warnenden laut gehört zu haben. wer sich in der kunde der arachniden auskennt weiss, dass diese art von spinne gerne springt und beisst. ihr biss ist zwar nicht tödlich, aber anhande ihrer grösse schätze ich, dass sie sich bei schlechter laune problemlos mit meinem arm hätte davon machen können. nachvollziehbar also, dass mich ein unangenehmer schrecken überkam. ein schrecken so gewaltig, dass er einem ängstlichen menschen das essen des vorabends im express verfahren durch die frische unterwäsche in die ausgetragenen jeans püriert hätte. so stand ich ihr gegenüber. einer spinne deren fleisch eine zehn köpfige familie aus botswana mehrere wochen am leben erhalten könnte. eine spinne so gefährlich wie ein tiger, nur mit mehr beinen. eine spinne von alptraumhaften aussehen und mehr körperbehaarung, als ein ausgewachsener bison. augen in auge standen wir da… und dann habe ich sie erschlagen. in australien muss man sich schliesslich daran gewöhnen.

nicht minder beängstigend wie die vielzahl tödlicher kriechtiere, ist allerdings die freude der hügelbewohnern an lustigen briefkasten. kreativität kennt hier keine grenzen. und unsereins verzieht bei so viel bastelfreude nur fragend das gesicht. umgebaute milchkannen, vogelhäuschen, metallrohre im selbstschweissverfahren oder mittelalterliche eisenhelme. erstaunlich dabei ist jedoch, dass nur die wenigsten davon die grösse haben, um einen regulären brief im din format aufzunehmen. die postbeamten müssen zwangsläufig experten in origami faltkunde sein. entsprechend spannend gestaltet sich auch das herauslösen der liebevoll in den kasten eingearbeiteten briefe. werbesendungen und rechnungen gleichermassen komprimiert und bis zur unkenntlichkeit gefaltet – briefmarkensammler haben hier einen schweren stand.

abschliessend möchte ich noch erwähnen, dass diese geschichten zwar der wahrheit entsprechen, aber natürlich nur einen kleinen teil des australischen alltages ausmachen. lasst euch also nicht abschrecken, down under hat zweifelsohne auch seine guten seiten.



OSRAMA BIN LADEN
2. September 2009, 02:50
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kkk_osrama



AUF DER REISE: TEIL 4
4. August 2009, 06:57
Gespeichert unter: Auf der Reise

25.07.2009 17:50 (mez +8)

vierte station: mt tamborine (gold coast, queensland)

der flug mit virgin blue ist schnell und unkompliziert und nach ein paar schüchternen blicken, finden wir schliesslich auch unser empfangskomitee. schnell wird klar, dass die gold küste ein schöner ort zum leben ist. die tropische vegetation, die strände, die überschaubaren ortschaften (mit ausnahme der millionenstadt brisbane natürlich) sowie die traumhafte, hügelige landschaft nur wenige kilometer vom meer. und irgendwo dort oben, auf dem etwa gurten hohen berglein, steht unser künftiges feriendomizil. gespannt aber verhältnismässig gelassen werden wir über kurvenreiche strassen chauffiert. abgelegen ist es hier. kein ort für partytiger. rund eine stunde fährt man bis an die strände des gold küsten party mekkas surfers paradise. doch mich kümmert das nicht weiter. das budget ist ohnehin knapp und australien überschreitet in vielerlei hinsicht das schweizer preis/leistungs niveau. nach einer verwirrenden fahrt durch ländliche gegenden, vergleichbar mit einer fahrt über den gotthardpass, erreichen wir das anwesen unserer gastgeber. bereits vor ort ist das zweite empfangskomitee. eine bunte mischung aus handtaschen kompatiblen kuschelhunden und rottweilern die nicht minder kuschelbedürftig erscheinen. mit sicherheit würde man sich als einbrecher beim anblick einer schätzungsweise 200 kilo schweren rottweilerdame selber nass machen. sieht man das tier aber erst mal auf dem rücken liegend, mit allen vieren von sich gestreckt, ist es vorbei mit dem unguten gefühl. wie gesagt: alles nur kuscheltiere. aller erster güte.

nach einem kurzen spaziergang über das weitläufige und eindrückliche anwesen der gastfamilie werden wir an den eigentlichen zielort begleitet. und die erste herausforderung steht bereits vor der tür. unser fahrbarer untersatz für die nächsten monate. ein automobil deutscher herkunft vom typ volkswagen der generation golf. das an sich verunsichert mich nicht. es ist eher die tatsache, dass ich nach fast 10 jahren autofahren und plötzlich auf der linken seite einsteigen muss – um auf der rechten strassenseite zu fahren wohlverstanden. in solchen momenten ist man mehr als dankbar für einen aufmerksamen co-piloten. hilfreiche hinweise wie „fährst du nicht auf der falschen seite“, dürften für das überleben auf längere frist essenziell gewesen sein.

schluss und endlich neigt sich ein langer tag dem ende zu. gegen 17.00 uhr beginnt die nacht ihre fängen um australien zu legen und bereits um 18.00 uhr hat man das gefühl, längst im bett sein zu müssen. wir haben unseren zielort erreicht. ein geräumiges häuschen nach typisch australischer bauart, ohne heizung, dafür mit klimaanlage; was einem bei arktischen 8 grad celsius in der nacht nicht unbedingt freude macht. doch das bett ist bequem und wenigstens die decken wärmen einem zufriedenstellend. nach weiteren 1000 kilometern reiserei, habe ich mir doch ein bisschen schlaf verdient…



ZWISCHENBERICHT: LEBEN UND ESSEN IN OZ
4. August 2009, 05:05
Gespeichert unter: Auf der Reise

australier sind ähnlich wie briten: freundlich und anständig aber keine ahnung von gutem essen. gespiesen wird vornehmlich an sogenannten food courts. hier versammelt sich die crème de la crème der fastfood industrie und preist ihre produkte zu günstigen preisen an. glücklich ist, wer gerne isst. traurig die, welche nach dem essen gerne eine zigarette rauchen oder ein bierchen trinken. spätestens hier fehlt den aussies der sinn für humor und auch dem raucher vergeht bei 10 dollar pro 20 zigaretten das grinsen. wer sich also tagelang bei hungry jacks (aka burger king), mc donalds, subway oder beim dunkin donuts verköstigen kann, fühlt sich in down under schnell wie zu hause. wer neben steak auf toast mit chips aber auch noch andere vorlieben hat, muss weiter suchen. doch ähnlich wie in england, gibt es auch hier ein paar erwähnenswerte ausnahmegerichte. was in grossbritannien die fish & chips sind, sind in australien die pies – auf gut deutsch kuchen. die meisten davon mit fleischigem inhalt. gefüllt werden diese leckerbissen mit nahezu allem was vier beine hat und sich als nahrung für menschen eignet. nebenbei werden kartoffeln, zwiebeln und andere gemüse verarbeiten und in den teig gepackt. in restaurants, pubs und cafes mit speisekarten gibt es die warmen mahlzeiten zu kaufen. und für die kuchenzeit zu hause, sind sie in jedem supermarkt in einer vielzahl erhältlich. es ist eine wahre freude und während ich hier schreibe, würde ich am liebsten den ofen wärmen und eine weitere pie aufbacken. man stelle sich das vor: köstlich, knusperiger teig umgibt eine liebevoll zubereitete und von hand vermengte mischung aus australiens bestem, wohlgenährtem rind, handerlesenem, biologisch angebautem gemüse sowie einer gekonnt abgestimmten gewürzmischung. es ist ein gaumenschmaus. in meinen ersten zwei wochen hier habe ich mit sicherheit die australische pro kopf kuchenstatistik um eine vielzahl erhöht.

behält man diese umstände im kopf, kann man sogar bei gesalzener butter, ungesalzenem brot, kautschuk ähnlichem käse oder kartoffelstock mit dem geschmack von styropor ein auge zudrücken. überigens: im supermarkt gibt es original st. galler rösti – hergestellt von bischofszell in der schweiz. die welt ist und bleibt ein dorf…

ach und übrigens. mein tip: neben den pies auch mal eine herzhafte „beef & beer“ suppe probieren. gibts von heinz in der dose für knappe 3 dollar.

food_collage



DAS ZITAT DES TAGES
29. Juli 2009, 00:24
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denise: „erstaunlich in wie gutem zustand die strassen in australien sind“. michel: „australien ist schliesslich kein entwicklungsland“. denise: „der aargau ja auch nicht und schau dir die strassen dort mal an“.



AUF DER REISE: TEIL 3
25. Juli 2009, 07:42
Gespeichert unter: Auf der Reise

13.07.2009 17:50 (mez +8)

dritte station: sydney

base backpackers sydney am frühen nachmittag. die verspätung hat sich zu unserem vorteil entwickelt. das zimmer war bereits fertig und so konnten wir uns nach einer gemütlich dusche endlich richtig zur ruhe legen. das war bitter nötig. die ewige zeitverschieberei macht einem zu schaffen. das base ist zwar ein typisches hostel, aber wer müde ist kann überall schlafen. mit typisch meine ich nicht nur den allgemeinen komfort, sondern auch das benehmen der bewohner. mindestens 20 stunden vollbetrieb täglich, lärm, rucksäcke und leicht bekleidete typen die gerade von der dusche kommen. warum man nie eine vergleichbar angezogene dame trifft, bleibt eines der letzten mysterien dieser erde. die zimmer sind puristisch aber weit weg von stielvoll ausgestattet – das wort eingerichtet möchte ich an dieser stelle bewusst vermeiden. die klima anlage macht einen höllen lärm und kühlt dafür umso weniger während, wie für backpacker hostels so üblich, mit sicherheit nie alles auf einmal funktioniert. wenn denises schlüsselkarte für das zimmer nicht geht, funktioniert meine dafür im waschraum nicht. wenn der wasserhahn nicht tropft, hat dafür die dusche kein warmes wasser. ein hostel eben. nichts desto trotz. viel zentraler leben kann man in sydney kaum und so machten wir am tag nach unserer ankuft auch die ersten ausflüge zu fuss.

wie die meisten grossstädte dieser welt zieht auch sydney touristen an wie ein hundehaufen fliegen. die attraktionen sind überall und unübersehbar. doch ähnlich wie bei den erotischen mitternachtsfilmen im zdf, bleibt am ende das gefühl etwas habe gefehlt. seien es nun die brüste im öffentlich rechtlichen oder die eigentliche attraktion im sight seeing bereich. aus ein paar niedlichen seekühen werden so schnell „the true mermaids from the mystic dungeon“ und aus einer kinovorstellung auf wackeligen sitzen eine „amazing 4d cinema experience“. es ist zum mäuse melken. natürlich langt der geneigte tourist für sämtliche attraktionen tief ins portemonnaie und so bezahlt man schnell einmal 180 dollar nur um über die berühmte harbour bridge zu klettern – wers nötig hat. nervenkitzel gibt es allerdings auch wesentlich günstiger, wie euer lieber freund der ferienblogger feststellen musste. beim überprüfen der habseligkeiten kurz vor dem eintreffen im hostel bemerkte ich, dass sowohl mein pass, wie auch das visum fehlten. eine ärgerliche sache wenn man bedenkt, wie lebenswichtig diese dokumente sind. binnen kurzer zeit sind mir all die albtraumhaften horrorvisionen durch den kopf geschossen. die suche nach der schweizer botschaft und das verbringen der restlichen ferien im aufenthaltsraum ebendieser. oder die belächelnden blicke bei der passkontrolleure am flughafen, wenn man versucht zugang mit einer abgelaufenen exlibris kundenkarte zu ergattern. doch glücklicherweise war auch da ein freundlicher australier zu stelle und hatte pass, visum sowie den dokumente umsäumenden stadtplan feinsäuberlich am ort des verlustes hinterlegt – in einem restaurant nahe der strandpromenade darling harbour…

gegessen haben wir dort übrigens gut.

die ersten eindrücke von down under

der durchschnittliche australier ist aussergewöhnlich freundlich und hilfsbereit. kann einem zum beispiel der eine nicht weiter helfen, hilft einem dafür der zweite – unaufgefordert wohlverstanden. es ist ein gutes gefühl zu wissen, dass man nicht alleine ist. gerade in einem land mit diesen dimensionen. ein ebenso markanter gesichtszug der aussies, ist ihr gemässigter gemütszustand. meldet man sich im hostel zum dritten mal an der rezeption weil man mit seiner zugangskarte nicht in die toilette kann, wird man mit sätzen wie „ich werde wohl mal die batterie auswechseln müssen – brauch doch so lange die toilette im nächsten stock“ vertröstet. ein ganzes stockwerk ohne toilettenzugang also – doch wen kümmert das schon? in down under nimmt man es locker. denkt man in solchen momenten an zu hause, in meinem falle an die gute alte schweiz, wünschte man sich plötzlich ebenfalls ein wenig mehr easy living. schliesslich beweisen die australier, dass es auch mit weniger regelungen und einschränkungen funktioniert. muss man sich bei uns an 1000 bauvorschriften, brandschutzbestimmungen und reglementierungen halten, baut man hierzulande einfach mal drauf los. manchmal, und das muss man den aussies ebenfalls lassen, beweisen sie dabei sogar eine gehörige portion humor. anders kann ich es mir zumindest nicht erklären. in einem gemütlichen lokal nämlich, nahe sydneys china town*, wollte ich mir nach dem hände waschen die finger trocknen. da viel mir auf, dass keine 10 zentimeter unter dem automatischen händetrockner eine steckdose montiert war. man klar kann sich an dieser stelle fragen, ob nun der händetrockner oder die dose zuerst da war. tatsache bleibt, dass die chance auf einen lebensgefährlichen stromschlag durch diese art der anordnung um ein mehrfaches steigen. man stelle sich die gesichter bei der zuständigen prüfstelle in der schweiz vor.

*in sydneys china town gibt es übrigens hammermässiges essen zu super günstigen preisen.



AUF DER REISE: TEIL 2
17. Juli 2009, 02:04
Gespeichert unter: Auf der Reise

13.07.2009 17:50 (mez +5)

zweite station: bangkok

bangkok, eine stadt nervös wie ein hühnerstall, geschäftig wie eine ameisenkolonie und farbiger als disneyland auf lsd. eine stadt zwischen tradition und high tech. es ist eine stadt voller freundlicher kellner und aufdringlicher strassenverkäufer. wärme und feuchtigkeit sind für den europäischen standart zwar befremdlich, trotzdem fühlt man sich irgendwie von anfang an wohl hier. es gibt unendlich viel zu entdecken und an jeder strassenecke könnte man sich auf multiple weise mit asiatischen köstlichkeiten verwöhnen lassen – ich spreche aufs essen, nicht auf die minderjährigen, thailändischen prostituierten an. am besten legt man die digitalkamera gar nicht mehr aus der hand – die nächste skurrilität wartet nämlich bereits um die ecke. eine stadt voller geduldiger, freundlicher und lächelnder menschen. glaubt man zumindest am anfang.

doch mindestens ebenso erstaunlich wie die endlose geduld und freundlichkeit der thailänder, ist ihre unvorstellbare respektlosigkeit gegenüber lebenden tieren. da werden fische lebendig in wasserlosen theken zur schau gestellt und während dem sie noch zappeln verpackt und zum krepieren in die einkaufstüte gepackt. krebse werden zusammengebunden und bei vollem bewusstsein auf eis gelegt. alle arten von aquarium fischen werden bei brennender hitze in winzigen plastiktüten auf endlosen märkten zur schau gestellt. lebewesen sind eine ware. mehr nicht. die baby-hündchen in ihren käfigen brechen sich in den gitterstäben zwar nur die beine, wirklich wohl fühlen werden sie sich dort aber bestimmt auch nicht. mir ist unklar, wie so etwas mit dem buddhistischen glauben in einklang gebracht werden kann. und gläubig sind sie die liebenswerten, kleinen thailänder. an jeder ecke stehen schreine mit farbenfrohen figuren der zahlreichen gottheiten. täglich werden ihnen opfer in form von nahrungsmitteln gebracht. da sieht man menschen, zu arm um sich satt zu essen, welche ihre monatsration an gemüse, fisch und fleisch zum altar bringen und dabei zusehen müssen, wie die unzähligen tauben die lebensmittelspenden bereits vor beenden des dazugehörigen gebetes verspiesen haben. ein bild für die götter – im warsten sinne.

bangkok begrüsste uns mit 43 grad celsius und hatte auch sonst so einige überraschungen parat. mit sicherheit wäre es das paradies für jean baptist grenouil. sie werden konfrontiert mit einer gerüche palette die ihresgleichen sucht. meist undefinierbar und schwadenähnlich stechen ihnen die vielseitigen durftnoten menschlicher ausscheidungen kombiniert mit touristen achselschweiss, der nicht gerade unaufdringlichen, thailändischen strassenküche sowie jede verfügbare form von abgasen in die nase. auch sonst gibt es einigen anlass zum nasenrümpfen. während der durchschnittliche thailänder sehr freundlich, zurückhaltend und schüchtern ist, agieren die strassenverkäufer, tuk-tuk und taxifahrer völlig anders. sie sind anhänglicher als faultierkinder, aufdringlicher als versicherungsvertreter und hartnäckiger als rotweinflecken auf weissen teppichböden. es ist eine 24 stunden permanent zumutung und kann einem die freude an der sonst so wunderbaren stadt gehörig verderben. keine sekunde ruhe wird einem gegönnt. als tourist ist man nichts weiter als ein mobiler brieftaschenhalter. ein bankomat auf zwei beinen sozusagen – ohne pincode benutzbar. es ist ermüdend und wer sich vor ewigen diskussionen über korrekte taxipreise oder langatmigen debatten über den effektiven warenwert bei markteinkäufen fürchtet, hat in dieser stadt nichts verloren. wenn es ums bezahlen geht leiden die meisten taxifahrer nämlich unter punktueller amnesie und erinnern sich nicht mehr an getroffene vereinbarungen – manchmal noch nicht einmal mehr daran, dass sie anfangs fliessend englisch gesprochen haben. so kann aus 40 baht schnell mal 400 werden und das ist am ende selbst für unsere verhältnisse zu teuer. für touristen wird in bangkok zwar einiges getan (englische schilder und durchsagen beim skytrain oder tourist-guides bei den meisten hauptattraktionen), trotzdem dominiet die transport-mafia das geschehen. alle wissen es bereits, doch es soll an dieser stelle noch einmal gesagt werden: tuk tuk fahrten sind strikte zu meiden und enden in jedem fall gleich: beim schneider oder beim schmuck verkäufer. ebenso verhalten sich die meisten taxifahrer. die bringen einem zwar relativ schnell ans gewünschte ziel. doch entweder benutzt man ein taxometer und ist sich nie sicher, ob es auch zu anständigen tarifen zählt, oder man vereinbart einen viel zu hohen fixpreis.

doch natürlich darf man unter all diesen kritikpunkten auch das positive nicht vergessen. bangkok ist das mekka kulinarischer genüsse und ein paradies für shoppingfreunde. die grossen einkaufzentren bieten nicht nur günstige preise, sondern auch hunderte von geschäften – in einzelnen fällen sogar weit über tausend. auch kulturell gibt es viel zu sehen und dabei sind die wunderschönen tempel nur ein kleiner teil.

wenn es ihnen also nichts ausmacht, dass ihre nase abwechselnd red curry und im nächsten moment die daraus entstandenen exkremente riecht; dahinsiechende fische im buffet ihnen den appetit nicht verderben; ein paar wochen alte hunde in schuhschachtel grossen käfigen ihre stimmung nicht trüben; 7 millionen thailänder die klingen wie die ausserirdischen aus mars attacks ihre ohren nicht beelenden oder beinlose krüppel die aus ihrer behinderung schamlos kapital schlagen sie eher belustigen als abschrecken – ja dann sind sie in bangkok richtig und werden die zeit ihres lebens haben.

bee prepared – bangkok überleben: ein crash-kurs

stellen sie sich vor, sie sind eine wespe und machen ferien in einem bienenstock. sie sprechen kein wort bienisch und das hektische treiben ist ihnen fremd. überall wird gearbeitet, herumgeschleppt und jeder versucht ihnen honig zu verkaufen. grundsätzlich fehlt ihnen jegliches verständnis für die arbeitsweise und auf den ersten blick sieht das ganze nach beispielslosem chaos aus. trotzdem scheint das system zu funktionieren und erstaunt sehen sie zu, wie hupende biene unkoordiniert und spurwechselnd herum rasen und trotzdem nicht zusammenstossen. schnell stellen sie fest, dass jede biene bedingungslos der monarchie dient und als oberste instanz die königin huldigt. es ist befremdlich, aber darf nicht hinterfragt werden – auf königinnenlästerung stehen drakonische strafen. während sie sich noch fragen, ob die vielen honigverkäufer wirklich unter hygienischen bedingungen produzieren, zahlen sie bereits in der landeswährung (beet) und sind erstaunt, weil man zu hause im wespennest zu dem preis noch nicht einmal den plastikteller kaufen könnte. von da an lassen sie es sich gut gehen. sie gönnen sich eine traditionelle massage und für ein paar beet extra könnten sie auch ihren stachel in aller form verwöhnen lassen. ein hoch auf bangkok.

14.07.2009 21:58 (mez +5)

zwischenstation: flughafen suvarnabhumi bangkok

der schock sass tief als unsere tickets beim einchecken dieses komische geräusch machten. sie wissen schon, dieses schrille, unheilvolle pfeiffen das einem auf gewisse missstände aufmerksam macht. während wir aus der reihe genommen wurden um einem genaueren check unterzogen zu werden, kam auch bereits der nächste schock. unsere tickets wurden kurzerhand zerrissen und dem papierkorb für weiterführende analysen übergeben. dann kam schock nummer drei: ihre plätze wurden umgebucht – kann man denn noch tiefer als economy class sinken? hell no! aber man kann aufsteigen. in die business class. klar ist das noch nicht die major league. aber für uns als gezwungene beineinzieher die befreiuung von gliederschmerzen und heimtückischer nackenstarre. im flugzeug wird der zusätzliche luxus auch gleich demonstriert: drinks werden serviert, unzählige gadgets ausgehändigt (aftershave, rasierer und deodorant im business necessaire sind teurer als mein gesamtes reisegepäck) und der komfort der sitze lässt keine wünsche offen. man stellt sich die frage, warum man überhaupt jemals economy geflogen ist.

in dieser mischung aus liegen und sitzen vergeht die erste stunde im fluge. während ich mir noch den schluss von valkyrie ansehe, bin ich erstaunt über die aussergewöhnliche ruhe beim reisen. kaum lärm dringt ans ohr und auch der start war kaum zu merken. irgendwie scheint auch das flughafen terminal noch verdächtig nahe und nach einigem überlegen realisiere ich, dass wir den boden noch nicht einmal verlassen haben. es folgt eine zeit des wartens. nach einer stunde meldet sich der captain. einer von vier generatoren an bord sei ausgefallen und müsse ausgetauscht werden. eine kurze sache sei das und in guten 15 minuten kann die reise angetreten werden. 30 minuten später meldet sich der captain erneut. die sache sei wohl doch komplizierter als gedacht. und obwohl in bangkok für jede arbeit mindestens 10 mal mehr menschen zur verfügung stehen als in europa, ist das problem nicht zu beheben. weitere wartezeit fällt an. doch glücklich ist wer business klasse fliegt. kurzerhand werden wir in die emirates lounge umplatziert, laben uns an kostenlosen ordheuvres, sushi, tapas oder den sonstigen köstlichkeiten (wie zum beispiel der aussergewöhnlich vielseitigen käseplatte made in switzerland) aus dem reichhaltigen buffet, löschen den durst mit erlesenen weinen, champagner und bier oder nutzen den kosten- und kabellosen internetzugang. warten kann so schön sein.

mit gut vierstündiger verspätung heben wir schliesslich in richtung australien ab. der speise und getränkeplan ist weiterhin reichhaltig, die filmauswahl ausgewogen (für mehr als monsters vs. aliens, frost/nixon und race to witch mountain reicht die zeit allerdings nicht) und dank gepolsterter augenbinde und bequemen decken und kissen klappt es auch mit dem schlaf erstaunlich gut. sydney, nur ein kerosin gestützer katzensprung entfernt.



AUF DER REISE: TEIL 1
16. Juli 2009, 15:12
Gespeichert unter: Auf der Reise

07.07.2009 02:00 (mez)

die letzte nacht der alten zeit

es ist die letzte nacht zu hause. die letzte nacht der alten zeit. morgen beginnt eine abenteuerliche reise mit bis dato unbekanntem ende. doch ähnlich wie bei einer krankheit, kann sich dieses fernweh auf verschiedene arten bemerkbar machen. bei mir ist das hauptsymptom schlaflosigkeit. allerdings habe ich als nachtmensch und dauer-schlecht-schläfer gelernt, mich nicht gegen die insomnie zu wehren sondern sie zu nutzen. und so sitze ich um 02.00 uhr morgen (für die nächsten paar stunden noch nach mitteleuropäischer zeitrechnung) alleine in der küche meines elternhauses. einzig mein gesicht wird vom bildschirm des notebooks beleuchten – in der hoffnung den mücken und anderen insekten kein leuchtturm zu sein. funktionieren tut es allerdings kaum. eine gute sache kann ich dieser situation jedoch abgewinnen: die auch nachts andauernde hitze dürfte eine kleine vorbereitung auf bangkok sein.

das fernweh packt viele von uns. doch nur wenige geben sich ihm in diesem ausmass hin. ein halbes jahr plane ich nun die schweiz zu verlassen. wesentlich länger als anfänglich erwartet. und so tummeln sich gemischte gefühle in mir. vorfreude und unbehagen, wehmut und abenteuerlust. freilich nicht die selbe form von abenteuerlust, welche die entdecker australiens motiverte einen kontinent mit jahrtausende alter tradition in eine sträflingskolonie um zu funktionieren. es ist eher eine kindliche, naive form von abenteuerlust – so wie man sie heute überhaupt noch haben kann auf dieser welt. reiseführer in der muttersprache, luxuriöse flugzeuge mit nahezu vfgss konformer ausstattung sowie flächendeckende mobilfunk netze. eine Weltreise grenzt heutzutage schliesslich an eine Kaffeefahrt ins grüne…

09.07.2009 06:00 (mez +3)

erste station: dubai

noch vor ein paar stunden beschäftigte mich ein bericht im „magazin“ über den zustand von dubai. die einst florierende wirtschaftsmetropole soll stagnieren, ja nahezu am ende sein. gewaltige hochhäuser unvollendet. luxuriöse golfanlagen in planung aber aus finanziellen gründen auf eis gelegt. künstlich angelegte inselkomplexe nie fertiggestellt. doch der zustand von dubai scheint wesentlich schlechter zu sein als erwartet. wiederspiegeln tut sich das bereits in der landeseigenen fluggesellschaft – der emirates. in einem lotterflugzeug welches mehr an die hühner transportierenden einpropellermaschinen früher indiana jones filme als an eine zeitgemässe passagiermaschine erinnert, werden wir nach dubai geflogen. fern ab der konfortzone sind die sitzmöglichkeiten während die gestaltung des interieurs an die späten 70er jahre erinnert. auch technisch wurde seit damals nichts mehr verändert und auch wenn ein paar zeitgemässe blockbuster im dvd angebot sind, erkennt man auf den bildschirmen leider kaum etwas. im fünfzehnminutentakt wird das geschehen schliesslich unterbrochen und anstelle von filmmusik und dialog dröhnt mit ohrenbetäubender lautstärke die durchsage des kapitäns aus den kopfhörern. eine dezibel-technische zumutung. aus madacascar 2 wird somit ein vierstündiger epos. die lobeshymnen auf das hochstehende essen erweisen sich als ebenso unrealistisch wie die chance, eine dieser bildschönen stewardessen aus den werbefilmen auch tatsächlich mal in einem flugzeug anzutreffen. eine enttäuschung auf ganzem linienflug.

schluss und endlich glückt wenigstens die landung und wenn auch alles andere jenseits von gut und böse war, ist man doch erleichtert am ende nur verspannt und nicht tod zu sein. dubai beschliesst allerdings, den negativen eindruck gleich weiter zu führen. bei 31 grad um 06.00 uhr morgens und einer luftfeuchtigkeit vergleichbar mit dem bassin im marzilibad, entsteigt man dem flugzeug am ende der welt. in lotterigen bussen findet der transfer ins hauptterminal statt. neben einer gewaltigen unordnung auf dem gelände und dunstigem himmel gibt es nichts zu sehen. im flughafen selber schliesslich, sieht man dann doch noch einigen prunk – doch auch hier scheint die wirtschaftskrise einer vollendung vorgebeugt zu haben. marmorplatten liegen unverlegt herum und all zu vieles ist augenscheinlich baufällig.

für uns bleibt dubai glücklicherweise nur ein durchgangsort – länger verweile als notwendig möchte man hier nicht. sollen unsere kollegen mit kufiya doch erst einmal ihre kanalisation fertigstellen, bevor sie 1000 meter hohe türme bauen wollen (und nur bis zur hälfte damit fertig werden).