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AUF DER REISE: TEIL 2
17. Juli 2009, 02:04
Gespeichert unter: Auf der Reise

13.07.2009 17:50 (mez +5)

zweite station: bangkok

bangkok, eine stadt nervös wie ein hühnerstall, geschäftig wie eine ameisenkolonie und farbiger als disneyland auf lsd. eine stadt zwischen tradition und high tech. es ist eine stadt voller freundlicher kellner und aufdringlicher strassenverkäufer. wärme und feuchtigkeit sind für den europäischen standart zwar befremdlich, trotzdem fühlt man sich irgendwie von anfang an wohl hier. es gibt unendlich viel zu entdecken und an jeder strassenecke könnte man sich auf multiple weise mit asiatischen köstlichkeiten verwöhnen lassen – ich spreche aufs essen, nicht auf die minderjährigen, thailändischen prostituierten an. am besten legt man die digitalkamera gar nicht mehr aus der hand – die nächste skurrilität wartet nämlich bereits um die ecke. eine stadt voller geduldiger, freundlicher und lächelnder menschen. glaubt man zumindest am anfang.

doch mindestens ebenso erstaunlich wie die endlose geduld und freundlichkeit der thailänder, ist ihre unvorstellbare respektlosigkeit gegenüber lebenden tieren. da werden fische lebendig in wasserlosen theken zur schau gestellt und während dem sie noch zappeln verpackt und zum krepieren in die einkaufstüte gepackt. krebse werden zusammengebunden und bei vollem bewusstsein auf eis gelegt. alle arten von aquarium fischen werden bei brennender hitze in winzigen plastiktüten auf endlosen märkten zur schau gestellt. lebewesen sind eine ware. mehr nicht. die baby-hündchen in ihren käfigen brechen sich in den gitterstäben zwar nur die beine, wirklich wohl fühlen werden sie sich dort aber bestimmt auch nicht. mir ist unklar, wie so etwas mit dem buddhistischen glauben in einklang gebracht werden kann. und gläubig sind sie die liebenswerten, kleinen thailänder. an jeder ecke stehen schreine mit farbenfrohen figuren der zahlreichen gottheiten. täglich werden ihnen opfer in form von nahrungsmitteln gebracht. da sieht man menschen, zu arm um sich satt zu essen, welche ihre monatsration an gemüse, fisch und fleisch zum altar bringen und dabei zusehen müssen, wie die unzähligen tauben die lebensmittelspenden bereits vor beenden des dazugehörigen gebetes verspiesen haben. ein bild für die götter – im warsten sinne.

bangkok begrüsste uns mit 43 grad celsius und hatte auch sonst so einige überraschungen parat. mit sicherheit wäre es das paradies für jean baptist grenouil. sie werden konfrontiert mit einer gerüche palette die ihresgleichen sucht. meist undefinierbar und schwadenähnlich stechen ihnen die vielseitigen durftnoten menschlicher ausscheidungen kombiniert mit touristen achselschweiss, der nicht gerade unaufdringlichen, thailändischen strassenküche sowie jede verfügbare form von abgasen in die nase. auch sonst gibt es einigen anlass zum nasenrümpfen. während der durchschnittliche thailänder sehr freundlich, zurückhaltend und schüchtern ist, agieren die strassenverkäufer, tuk-tuk und taxifahrer völlig anders. sie sind anhänglicher als faultierkinder, aufdringlicher als versicherungsvertreter und hartnäckiger als rotweinflecken auf weissen teppichböden. es ist eine 24 stunden permanent zumutung und kann einem die freude an der sonst so wunderbaren stadt gehörig verderben. keine sekunde ruhe wird einem gegönnt. als tourist ist man nichts weiter als ein mobiler brieftaschenhalter. ein bankomat auf zwei beinen sozusagen – ohne pincode benutzbar. es ist ermüdend und wer sich vor ewigen diskussionen über korrekte taxipreise oder langatmigen debatten über den effektiven warenwert bei markteinkäufen fürchtet, hat in dieser stadt nichts verloren. wenn es ums bezahlen geht leiden die meisten taxifahrer nämlich unter punktueller amnesie und erinnern sich nicht mehr an getroffene vereinbarungen – manchmal noch nicht einmal mehr daran, dass sie anfangs fliessend englisch gesprochen haben. so kann aus 40 baht schnell mal 400 werden und das ist am ende selbst für unsere verhältnisse zu teuer. für touristen wird in bangkok zwar einiges getan (englische schilder und durchsagen beim skytrain oder tourist-guides bei den meisten hauptattraktionen), trotzdem dominiet die transport-mafia das geschehen. alle wissen es bereits, doch es soll an dieser stelle noch einmal gesagt werden: tuk tuk fahrten sind strikte zu meiden und enden in jedem fall gleich: beim schneider oder beim schmuck verkäufer. ebenso verhalten sich die meisten taxifahrer. die bringen einem zwar relativ schnell ans gewünschte ziel. doch entweder benutzt man ein taxometer und ist sich nie sicher, ob es auch zu anständigen tarifen zählt, oder man vereinbart einen viel zu hohen fixpreis.

doch natürlich darf man unter all diesen kritikpunkten auch das positive nicht vergessen. bangkok ist das mekka kulinarischer genüsse und ein paradies für shoppingfreunde. die grossen einkaufzentren bieten nicht nur günstige preise, sondern auch hunderte von geschäften – in einzelnen fällen sogar weit über tausend. auch kulturell gibt es viel zu sehen und dabei sind die wunderschönen tempel nur ein kleiner teil.

wenn es ihnen also nichts ausmacht, dass ihre nase abwechselnd red curry und im nächsten moment die daraus entstandenen exkremente riecht; dahinsiechende fische im buffet ihnen den appetit nicht verderben; ein paar wochen alte hunde in schuhschachtel grossen käfigen ihre stimmung nicht trüben; 7 millionen thailänder die klingen wie die ausserirdischen aus mars attacks ihre ohren nicht beelenden oder beinlose krüppel die aus ihrer behinderung schamlos kapital schlagen sie eher belustigen als abschrecken – ja dann sind sie in bangkok richtig und werden die zeit ihres lebens haben.

bee prepared – bangkok überleben: ein crash-kurs

stellen sie sich vor, sie sind eine wespe und machen ferien in einem bienenstock. sie sprechen kein wort bienisch und das hektische treiben ist ihnen fremd. überall wird gearbeitet, herumgeschleppt und jeder versucht ihnen honig zu verkaufen. grundsätzlich fehlt ihnen jegliches verständnis für die arbeitsweise und auf den ersten blick sieht das ganze nach beispielslosem chaos aus. trotzdem scheint das system zu funktionieren und erstaunt sehen sie zu, wie hupende biene unkoordiniert und spurwechselnd herum rasen und trotzdem nicht zusammenstossen. schnell stellen sie fest, dass jede biene bedingungslos der monarchie dient und als oberste instanz die königin huldigt. es ist befremdlich, aber darf nicht hinterfragt werden – auf königinnenlästerung stehen drakonische strafen. während sie sich noch fragen, ob die vielen honigverkäufer wirklich unter hygienischen bedingungen produzieren, zahlen sie bereits in der landeswährung (beet) und sind erstaunt, weil man zu hause im wespennest zu dem preis noch nicht einmal den plastikteller kaufen könnte. von da an lassen sie es sich gut gehen. sie gönnen sich eine traditionelle massage und für ein paar beet extra könnten sie auch ihren stachel in aller form verwöhnen lassen. ein hoch auf bangkok.

14.07.2009 21:58 (mez +5)

zwischenstation: flughafen suvarnabhumi bangkok

der schock sass tief als unsere tickets beim einchecken dieses komische geräusch machten. sie wissen schon, dieses schrille, unheilvolle pfeiffen das einem auf gewisse missstände aufmerksam macht. während wir aus der reihe genommen wurden um einem genaueren check unterzogen zu werden, kam auch bereits der nächste schock. unsere tickets wurden kurzerhand zerrissen und dem papierkorb für weiterführende analysen übergeben. dann kam schock nummer drei: ihre plätze wurden umgebucht – kann man denn noch tiefer als economy class sinken? hell no! aber man kann aufsteigen. in die business class. klar ist das noch nicht die major league. aber für uns als gezwungene beineinzieher die befreiuung von gliederschmerzen und heimtückischer nackenstarre. im flugzeug wird der zusätzliche luxus auch gleich demonstriert: drinks werden serviert, unzählige gadgets ausgehändigt (aftershave, rasierer und deodorant im business necessaire sind teurer als mein gesamtes reisegepäck) und der komfort der sitze lässt keine wünsche offen. man stellt sich die frage, warum man überhaupt jemals economy geflogen ist.

in dieser mischung aus liegen und sitzen vergeht die erste stunde im fluge. während ich mir noch den schluss von valkyrie ansehe, bin ich erstaunt über die aussergewöhnliche ruhe beim reisen. kaum lärm dringt ans ohr und auch der start war kaum zu merken. irgendwie scheint auch das flughafen terminal noch verdächtig nahe und nach einigem überlegen realisiere ich, dass wir den boden noch nicht einmal verlassen haben. es folgt eine zeit des wartens. nach einer stunde meldet sich der captain. einer von vier generatoren an bord sei ausgefallen und müsse ausgetauscht werden. eine kurze sache sei das und in guten 15 minuten kann die reise angetreten werden. 30 minuten später meldet sich der captain erneut. die sache sei wohl doch komplizierter als gedacht. und obwohl in bangkok für jede arbeit mindestens 10 mal mehr menschen zur verfügung stehen als in europa, ist das problem nicht zu beheben. weitere wartezeit fällt an. doch glücklich ist wer business klasse fliegt. kurzerhand werden wir in die emirates lounge umplatziert, laben uns an kostenlosen ordheuvres, sushi, tapas oder den sonstigen köstlichkeiten (wie zum beispiel der aussergewöhnlich vielseitigen käseplatte made in switzerland) aus dem reichhaltigen buffet, löschen den durst mit erlesenen weinen, champagner und bier oder nutzen den kosten- und kabellosen internetzugang. warten kann so schön sein.

mit gut vierstündiger verspätung heben wir schliesslich in richtung australien ab. der speise und getränkeplan ist weiterhin reichhaltig, die filmauswahl ausgewogen (für mehr als monsters vs. aliens, frost/nixon und race to witch mountain reicht die zeit allerdings nicht) und dank gepolsterter augenbinde und bequemen decken und kissen klappt es auch mit dem schlaf erstaunlich gut. sydney, nur ein kerosin gestützer katzensprung entfernt.


5 Kommentare bis jetzt
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hmmmm…deine farbenfrohen schilderungen verstärken unser eigenes fernweh ums hundertfache. wir harren hier in der helvetia patria bei gefühlten 15 grad, sturmwarnungen und unter einem sonnenlosen, wolkenüberladenen himmel. bin froh, dass ich kein gurtenticket gekauft habe.
freue mich schon auf „Auf der Reise Teil 3″!

Kommentar von Jana

Ein herrlicher Reisebericht! Mit Deinen Schilderungen zu Bangkok hast Du mir aus dem Herzen gesprochen :-) Freue mich auf den nächsten Reisebericht…!

Kommentar von Denise

Ein herrlicher Reisebericht! Mit deinen Worten zu Bangkok sprichst Du mir aus dem Herzen :-) Freue mich auf den nächsten Bericht…!

Kommentar von Denie

Hey Michel.
Super Texte! Kann also ruhig zu Hause sitzen bleiben,
bei einem kühlen Glas Chardonnay, deinen Reisebericht lesen und das Geschehen um euch herum praktisch miterleben. Bin gespannt wie’s weiter geht!

Kommentar von Henry

sehr schöner reisebericht von bankok und vorallem sehr lustiger vergleich mit dem bienenstock.

ich denke mit der business-class hast du endlich dein viel beklagtes pech hinter dich gelasen.

Kommentar von Romulu




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