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zwischenbericht: mt tamborine
21. September 2009, 23:28
Gespeichert unter: Auf der Reise

21.09.2009 07:30 (mez +8)

endstation für arachnophoben und philatelisten

hat man sich erst mal auf dem mt tamborine eingelebt, fallen einem zwei markante unterschiede zu europa auf. erstens: die wunderbare und farbenfrohe vegetation, eine flora wie man sie zu hause nie gesehen hat. und zweitens: die mindestens ebenso farbenfrohe tierwelt – genau so vielseitig und bunt wie die inneren organe welche bei den ausstellungsmodellen am strassenrand plakativ zur schau gestellt werden. es ist ein gutes gefühl in einer intakten welt zu leben. einer welt wo noch genügend tiere vorhanden sind, um schamlos überfahren zu werden. wenn auch an allen ecken und enden „drive careful: coalas & kangaroos“-schilder die landschaft zieren, sieht man doch nur in ausnahmefällen ein lebendiges exemplar. allein auf unserem arbeitsweg säumen mehr tote hasen, oposums und truthäne die fahrbahn, als es ungeniessbaren käse im regal des australischen supermarktes gibt – und das ist eine beachtliche anzahl.

in australien begegnen einem allerdings noch wesentlich unschönere dinge. achtbeiner mit übergrösse zum beispiel, welche arachnophoben kalten angstschweiss die stirn herunter laufen lassen… ich habe ihn persönlich erlebt, diesen unschönen schweiss. bei der garten arbeit hat es mich überrascht. wobei „es“ situationsbezogen wesentlich harmloser klingt als „es“ in wirklichkeit war. „es“ wäre vielleicht angebracht beim beschreiben einer biene, eines marienkäfers oder meinetwegen eines kugelschreiber langen regenwurms. aber keineswegs umschreibt „es“ die schreckliche erscheinung, welche meinen pulsschlag in die höhe trieb. beim entfernen hartnäckiger effeurückstände, eingeklemmt zwischen einem wassertank, dem überwachsenen schuppen und palmenartigen sträuchern, ist sie mir begegnet. eine spinne der gattung huntsman, faustgross – und ich spreche hier nicht von kinderfäusten. nur wenige zentimeter vor meinem gesicht hat sie halt gemacht und mich mit ihren hosenknopf grossen augen skeptisch gemustert. das sie mich angefaucht hat ist kaum zu glauben. wäre aber auch gelogen. und trotzdem hatte ich das gefühl, einen warnenden laut gehört zu haben. wer sich in der kunde der arachniden auskennt weiss, dass diese art von spinne gerne springt und beisst. ihr biss ist zwar nicht tödlich, aber anhande ihrer grösse schätze ich, dass sie sich bei schlechter laune problemlos mit meinem arm hätte davon machen können. nachvollziehbar also, dass mich ein unangenehmer schrecken überkam. ein schrecken so gewaltig, dass er einem ängstlichen menschen das essen des vorabends im express verfahren durch die frische unterwäsche in die ausgetragenen jeans püriert hätte. so stand ich ihr gegenüber. einer spinne deren fleisch eine zehn köpfige familie aus botswana mehrere wochen am leben erhalten könnte. eine spinne so gefährlich wie ein tiger, nur mit mehr beinen. eine spinne von alptraumhaften aussehen und mehr körperbehaarung, als ein ausgewachsener bison. augen in auge standen wir da… und dann habe ich sie erschlagen. in australien muss man sich schliesslich daran gewöhnen.

nicht minder beängstigend wie die vielzahl tödlicher kriechtiere, ist allerdings die freude der hügelbewohnern an lustigen briefkasten. kreativität kennt hier keine grenzen. und unsereins verzieht bei so viel bastelfreude nur fragend das gesicht. umgebaute milchkannen, vogelhäuschen, metallrohre im selbstschweissverfahren oder mittelalterliche eisenhelme. erstaunlich dabei ist jedoch, dass nur die wenigsten davon die grösse haben, um einen regulären brief im din format aufzunehmen. die postbeamten müssen zwangsläufig experten in origami faltkunde sein. entsprechend spannend gestaltet sich auch das herauslösen der liebevoll in den kasten eingearbeiteten briefe. werbesendungen und rechnungen gleichermassen komprimiert und bis zur unkenntlichkeit gefaltet – briefmarkensammler haben hier einen schweren stand.

abschliessend möchte ich noch erwähnen, dass diese geschichten zwar der wahrheit entsprechen, aber natürlich nur einen kleinen teil des australischen alltages ausmachen. lasst euch also nicht abschrecken, down under hat zweifelsohne auch seine guten seiten.



OSRAMA BIN LADEN
2. September 2009, 02:50
Gespeichert unter: K3 Bern Süd

kkk_osrama