NDN Nearly Daily News


DAS WORT ZUM SONNTAG: NR. 10
17. Mai 2009, 21:23
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von statuten und blasen keine ahnung haben

samstag nachmittag, 16. mai 2009, die sonne scheint und die gründungsmitglieder des vereins freunde des gepflegten und sauberen stuhlgangs sind anwesend. nach mehrmaligem korrekturlesen und dem ausbessern unzähliger schreibfehler ist es so weit: der fertige ausdruck liegt vor und mit kugelschreiber in der hand und 2 promille im blut unterzeichnen vizepräsidentin murphy und präsident frutig die statuten. der vfgss ist offiziell gegründet.

die statuten sind lediglich papier, sechs seiten umfassend und wenig eindrucksvoll. viel eindrucksvoller ist jedoch die wirkung, welche es auf die anwesenden hat. ein historischer moment in der geschichte der hygiene und wohl einer der wichtigsten momente im noch jungen leben der vereinsgründer. kassier und revisor fallen sich in die arme währenddem die anwesenden gäste ihren freudetränen freien lauf lassen. es ist ein augenblick der bewegt und für die geschichte der schweiz mindestens ebenso wichtig, wie für die amerikaner 2006 die aufhebung der getrennten sitzplätze für schwarze im öffentlichen raum. wir haben geschichte geschrieben. und wir werden es wieder tun. die grundlagen dafür sind nun gesetzt.

ich erinnere mich an die zeit, als der vfgss nichts weiter als traumtänzerei war. unsere vision wurde belächelt, unsere ziele schienen unerreichbar. und doch haben wir den traum nicht aufgegeben. mit vereinten kräften und eisernem willen haben wir geschaffen was niemand für möglich hielt. und es ist ein gutes gefühl zu wissen, selber teil der weltgeschichte geworden zu sein.

statuten_unterschrieben



DAS WORT ZUM SONNTAG: NR. 9
10. Mai 2009, 10:46
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der leitfaden zum besseren, interkulturellen verständnis.

nicht jeder ist von seiner wohnlage her so exponiert wie ich. man muss sich ein dickes (trommel)fell wachsen lassen, herumliegende bierdosen ignorieren und ab und zu auch mal ein paar turnende kinder auf der terrasse akzeptieren können. es gibt allerdings momente, da hilft einem auch das dickste fell nichts mehr. nämlich dann wenn man sich fragen muss, ob man unterwegs vom fischermätteli ins monbijou falsch abgebogen ist und irgendwo in namibia, botswana, zimbabwe oder einem anderen teil afrikas gelandet ist. an diesem einen samstag war afrika nämlich zu besuch im park. und ich meine das nicht im symbolischen sinne, mit einem informationsstand und spezialitäten zum probieren. ich meine das wort wörtlich: ganz afrika war zu besuch. oder wenigstens hat es sich so angefühlt. den bei nacht, mit ohrenbetäubendem lärm und hunderten von tanzenden schwarzen, verliert man schnell den überblick. zugegeben ist afrika nicht mein fachgebiet und geographie war selten meine stärke. entschuldigen sie also meinen dilettantismus bezüglich der herkunftsdeklaration der zahlreichen parkgäste. mir ist nicht bekannt ob sie aus nord-, süd- oder zentralafrika gekommen sind. ich weiss auch nicht was nun genau ihre landessprache war. und genau so wenig weiss ich, was sie an diesem abend im park gefeiert haben. ich weiss nur, dass mich ein gefühl von unbehagen beschlichen hat. und das ohne grund.

doch ich will mich an dieser stelle nicht in inhaltslosem euphemismus verlieren. ich bin ein rassist. ganz offensichtlich sind in meinen augen nicht alle menschen gleich. vielleicht denken sie an dieser stelle sachlich, den der farbliche unterschied zwischen schwarz und weiss liegt schliesslich auf der hand. doch es war nicht die farbliche differenzierung welche mein nächtliches unbehagen ausgelöst hat. es war der afrikaner an sich. es war das, was ich glaubte in ihm zu sehen. den drogendealer. den messerstecher. den illegalen einwanderer.

die feierlichkeit endete irgendwann kurz nach der gesetzlichen nachtruhe. ich war wohl bereits in schlaf versunken. und als dann die ersten sonnenstrahlen wieder den park erhellten, kam auch mein schlechtes gewissen ans tageslicht. der park war feinsäuberlich gereinigt, sämtliche abfälle verpackt und zum entsorgen bereit gestellt. ich gehe sogar so weit zu behaupten, dass die tische geputzt und der boden gewischt war. mehrere hunder afrikaner hinterlassen also weniger spuren, als eine gruppe von vier jugendlichen die sich am abend im monbijou besaufen. kein vandalismus, kein geschrei bis vier uhr morgens und allem voran: nicht die einzige negative vibration…

…und ich idiot fürchte mich vor afrikanern.



DAS WORT ZUM SONNTAG: NR. 8
3. Mai 2009, 22:42
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spieglein, spieglein an der wand, wer ist der schönste im ganzen land?

gestern abend war es scheinbar wieder so weit. tausende von schweizer frauen und mit sicherheit auch hunderte von schwulen schweizer männern, sassen vor dem fernsehgerät und labten sich an den prototypen maskuliner bullenzucht. die allseits beliebte mister schweiz wahl flimmerte über die mattscheibe. die meisten teilnehmer dieser muskelschau basierend auf körperlotion und styling gel, sind allerdings weniger mann als die frauen der russischen olympiamannschaft im gewichtheben – das resultat von antiautoritärer erziehung und massloser selbstüberschätzung. trotzdem faszinieren die mister schweiz wahlen jahr für jahr eine vielzahl an menschen. ich für meinen teil habe sie allerdings nicht gesehen, diese parade organisiert von narzissten für voyeuristen. und ich werde sie mir auch künftig nicht ansehen. klar, spätestens morgen früh wird mich der strahlende gewinner von der titelseite der tageszeitungen angrinsen. doch damit kann ich leben. sein name wird mir nicht lange in erinnerung bleiben und sein gesicht dürfte ebenfalls keine nachhaltige wirkung hinterlassen. dafür ist schwiegermutters liebling einfach zu durchschnittlich.

allerdings werde ich mir beim betrachten der morgigen zuglektüre einige fragen stellen müssen. wie gesund dieses ewige, künstliche lächeln zum beispiel ist? wie lange das es dauern wird bis besagte person wieder von bildfläche verschwindet? oder warum unbehaarte männer in zu engen badehosen generell so aussehen, wie take that am anfang ihrer karriere?* und als aller letztes beschäftigt mich schliesslich die frage, warum ein „mann“ überhaupt die lust verspürt, an einem solchen anlass mitzumachen? die geschichte unserer schweizer schönlinge ist ja bekanntermassen nicht von grossem erfolg gesäumt. im gegenteil. wer erinnert sich schon an mehr als einen mister-namen? und welch einer ist nach ende seines amtsjahres nicht wieder im weiten meer der durchschnittlichkeit untergegangen? selbst renzo blumenthal (und da hätten wir den einen namen der in erinnerung blieb) kann heute bestenfalls noch die wahl zum mister schweinegrippe moderieren – ohne maske wohlverstanden. es ist ein kammer-trauerspiel.

mir ist bewusst, dass die eine oder andere einen solchen beitrag dem blanken neid zuschreiben wird. doch dem ist nicht so. wenn ich auch zugeben muss, dass bestimmt auch mir ein massgeschneiderter zweiteiler mit violettem hemd gut stehen würde. der unterschied ist bloss, dass ich mich mit der mittelmässigkeit abgefunden habe. und auch wenn ich das potenital zweifelsohne hätte eine solche wahl zu gewinnen, schlage ich doch lieber kapital aus meinem können – anstatt meinen körper fürs schweizer fernsehen zu prostituieren.

*das zielpublikum von take that waren anfänglich junge, schwule männer. anmerkung des schreibers welcher gerade eben die inoffizielle biografie von robbie williams durchgelesen hat.



DAS WORT ZUM SONNTAG: NR. 7
26. April 2009, 23:52
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von guten-, bösen- und den geistern die ich rief

früh morgens, die vögel selber schlummern noch, werde ich häufig aus dem schlaf gerissen. schweissgebadet liege ich dann im bett und fühle mich ähnlich unwohl wie ein lieblos zurückgelassener sportsocken nach einem mehrstündigen training. meine augen sind noch kaum geöffnet und doch fühle ich bereits, wie sich im tiefschwarzen raum noch tiefschwarzere flecken selbstständig zu schemenhaften formen und gestalten modellieren. ich bin alleine, spüre aber deutlich die anwesenheit einer (noch) unsichtbaren entität.

nachdem ich mich schliesslich ausführlich bei wikipedia über den richtigen gebraucht des wortes „entität“ informiert habe, ist das ungute gefühl nebensächlicher geworden, beschäftigt mich aber trotzdem weiter. woher kommt dieses namenlose unwohlsein im dunkeln? warum ertappe ich mich immer wieder beim horchen und starren, beim verängstigten suchen nach einer fassbaren präsents in der tiefen nacht? warum generiert mein gehirn aus dunkelheit und schatten immer neue gestalten wo eigentlich gar keine sein sollten? aber versuchen wir doch erst mal den sachverhalt zu klären. ich wohne alleine. alleine in einem alten, einsamen holzhaus. fast 120 jahre steht es nun da dieses häuschen, hat zugesehen wie rundherum eine stadt gewachsen ist. ich weiss nicht was alles schon passiert ist hier. ich weiss nicht wie viele menschen darin ihren lebensabend verbracht haben. ich weiss nicht welch schöne oder grausame geschichten mein häuschen erzählen könnte. fest steht jedoch, dass es so einiges schauderhaftes und gruseliges zu erleben gibt. da wäre zum beispiel das knarren des holzes. als würden die geister nacht für nacht über die maroden dielen spazieren um präsents zu markieren. dann folgt das klappern der ziegel oder ein einsamer marder welcher bei seinem mitternächtlichen nestbau über die balken trampelt. zu hören gibt es immer etwas. und gepaart mit meiner blühenden fantasie entsteht ein perfekter nährboden für absonderliche paranoia aller art.

doch reichen diese geräusche wirklich aus um solch eine gänsehaut zu erschaffen? ich glaube nicht. ich fürchte die gründe dafür sind nicht ganz so einfach zu finden. schätzungsweise gibt es zwei begründungen. eine davon plausibel, die andere mehr oder weniger spiritueller natur. erstens: der jahrelange konsum von gruseligen, schaurigen oder horrorhaften filmen hat mich von der realität entfremdet und suggerierte unterbewusste wahnvorstellungen. zweitens: spirituelle existenzen, körperlose manifestierungen oder meinetwegen geister existieren tatsächlich – und ich gehöre zu den wenigen menschen, welche sie leibhaftig fühlen können. in beiden fällen bin ich mit den auswirkungen davon unzufrieden. es wäre also an der zeit lösungen zu suchen. und auch hier sehe ich lediglich zwei behandlungsmöglichkeiten. erstens: durch eine kombination aus teletubbies und unsere kleine farm werden in monatelangen sitzungen sämtliche erinnerungen an traumatisierendes tv material verdrängt. oder zweitens: mit hilfe von vincent raven und uri geller suche ich die konversation mit den geistern und versuche sie zum gehen zu bewegen. doch die chancen auf erfolg sind bei beiden behandlungsmethoden ähnlich hoch wie die chance, dass uri geller seine löffel auch tatsächlich mal vor publikum verbiegt.

dem geneigten leser dürfte zwischenzeitlich aufgefallen sein, dass bei diesem beitrag auch die chancen auf ein gehaltvolles ende mehr als gering sind. kein wunder. immerhin basiert der gesamte text auf dem im rausch ausgesprochenen versprechen, dass wort „entität“ in adäquater form einzusetzten. von einem geistreichen schluss war jedoch nie die rede. und weil das wort zum sonntag in knappen 10 minuten publiziert werden muss um seinem namen noch gerecht zu werden, wird dieser text als inhaltsloses füllmaterial in die analen der ndn-geschichte eingehen. ich habe fertig.



DAS WORT ZUM SONNTAG: NR. 6
19. April 2009, 15:37
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leben mit der sucht

in einer heruntergekommen sozialbauwohnungen am rande von bern, treffen wir m. f. (27). er ist süchtig. seit jahren lebt er von fürsorgegeldern und der unterstützung seiner eltern. das essen bestellt er sich per internet, die wohnung verlässt er kaum. m ist dvd abhängig. seine sammlung umfasst mehrere tausend filme. viele hundert im monat werden ihm von freunden zusätzlich ausgeliehen. das geld der fürsorge gibt er grösstenteils für neue dvds aus. „es geht darum die filme zu besitzen, weniger um sie zu sehen“ sagt m gegenüber der ndn. in der schweiz sind mehrere tausend fälle von dvd sucht bekannt, bund und kanton weigern sich allerdings aktiver gegen das problem vorzugehen. mirjam steiner von der berner suchtstelle fokus: „seit ende 2005 gibt es staatlich organisierte dvd hilfspakete für süchtige. das ist zwar ein schritt in die richtige richtung, reicht aber nicht aus. süchtige müssen aktiver unterstützt werden.“ deswegen fordert steiner obligate gruppentherapien auf staatskosten. „seit fast vier jahren läuft im berner monbijouquartier ein pilotversuch. dort können sich süchtige treffen, gemeinsame erfahrungen austauschen sowie neue hobbies und aktivitäten entdecken“. obwohl es von seiten der anwohner bisher keine beschwerden gab, formiert sich auf politischer ebene wiederstand gegen das begegnungszentrum. die berner svp strebt sogar ein verbot der treffen an. in einem offenen brief schreiben sie, dass diese treffen nichts weiter als eine film-tauschbörse auf kosten des steuerzahlers sind.

für m ist jedoch klar, dass diese treffen von grosser wichtigkeit sind. „dank der unterstützung von freunden habe ich es geschafft, meinen filmkonsum um rund einen drittel zu reduzieren. ein bekannter von mir hat sogar seine gesamte sammlung aufgelöst.“ diese fortschritte wirken sich nicht nur positiv auf das sozialleben der süchtigen aus, es ist auch aus finanzieller sicht ein fortschritt. mirjam steiner ist überzeugt, dass die staatlichen film abgaben an schwerstsüchtige bis 2012 um 20 prozent gesenkt werden könnten. „konsequente betreuung und intensivere präventionsarbeit sind dabei der schlüssel“.

m. f. vor seiner filmwand.

m. f. vor seiner filmwand.



DAS WORT ZUM SONNTAG: NR. 5
12. April 2009, 20:37
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des schweizers liebster (f)eiertag

bier und eier – das nationalgericht am ostersonntag und für viele auch in den tagen davor und danach die haupternährungsquelle. zugegeben: auch mir schmeckt diese nicht ganz alltägliche tradition. das goldene gebräu aus hopfen und malz gehört ohnehin zu meinen lieblingsgetränken. doch auch die eier stehen regelmässig auf dem speiseplan. ob gespiegelt, gerührt oder drei minuten gekocht. eier im salat, im kühlschrank oder in der hose. ich mag sie überall. doch so schön dieses festessen auch sein mag, die folgeerscheinungen sind alles andere als harmlos. die opferzahlen sind von jahr zu jahr erschreckend, aufgrund der immensen dunkelziffer jedoch kaum einzuschätzen. man spricht nicht darüber, schämt sich für sein verhalten und versucht das thema tod zu schweigen. doch wie jedes jahr folgt auf den feierlichen sonntag, der fürchterliche ostermontag.

der gefährliche prozess beginnt im magen. schon im alleingang sind bier und ei keine freude. mischt man sie aber, entsteht daraus ein katastrophaler cocktail dessen teuflischer wesenszug erst am ende von rund 1,5 metern dick- sowie 4 bis 6 metern dünndarm zu riechen ist. die schweiz wird über nacht zu einer nation potentiell gefährlicher eier-tollah khomeinis. bisher da gewesene anthrax angriffe sind kinderkram dagegen. man müsste den notstand ausrufen finde ich. den ostermontag in den nationalen quarantäne tag umwandeln. die grenzen bleiben geschlossen. touristen werden isoliert und in turnhallen untergebracht. die bevölkerung müsste zu hause bleiben, geschützt vor den giftigen dämpfen der mitmenschen. atemschutzmasken wären obligatorisch. jeder bräuchte seinen eigenen abc-schutzraum. wir haben kaliumiodid tabletten zum schutz vor radioaktiver strahlung zu hause. doch wie schützen wir uns vor uns selber? es braucht dringend ein massnahmenpaket. denn wie ich hier schreibe, bahnen sich bereits die ersten listigen gase ihren weg durch den hauseigenen verdauungstrakt. die freundin flucht, flüchtet und übersteht den terroristischen angriff auf die riechorgane nur dank eisernem überlebenswillen und der frischluftzufuhr des offenen fensters. binnen kürzester zeit wird aus der gemütlichen wohnung im monbijou, eine art kammer des schreckens. eigerplatz-birkenau könnte man es nennen.



DAS WORT ZUM SONNTAG: NR. 4
5. April 2009, 21:51
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der gute christ

ein herrlicher sonntag. wunderbares, fast schon sommerliches wetter. angenehm, milde t-shirt temperaturen. draussen spielten die kinder und tummelten sich die erwachsenen. und der winter wart vergessen – das sagte man mir zumindest. ich persönlich sass vor dem tv und habe mich von leichter unterhaltung ab dvd-konserve berieseln lassen. drei filme waren es bislang. mindestens einer dürfte noch folgen. gehirnweichspüler nummer 4. dazu ein oder zwei bierchen – ich nenne das ausspannen nach art des hauses. ich habe ihn mit geschlossenen vorhängen und künstlichem licht verbracht, diesen bezaubernden sonntag. und das mit wirklich schlechtem gewissen. doch ich habe entdeckungen gemacht. entdeckungen die jegliche form des zu hause bleibens rechtfertigen. ich habe mich mit religiösen themen und spiritualität beschäftigt. und fragen sie nicht wie ich darauf gekommen bin – es war lediglich zufall – doch folgendes habe ich auf wikipedia gefunden:

„das (…) protevangelium des jakobus berichtet anlässlich der geburt jesu, dass eine der beiden anwesenden hebammen, salome, die jungfräulichkeit maria überprüfen wollte, wobei ihre hand verdorrte, aber bei der berührung der windeln jesu wieder verheilte.“

unglaublich. und ich habe bis anhin an der echtheit, ja sogar der glaubwürdigkeit des christentums gezweifelt. ich dachte alles wäre nur erfunden, eine gutenachtgeschichte für dummköpfe. und dann erfahre ich, dass jesus ein echter windelheiler war. mein weltbild wurde auf den kopf gestellt. und endlich begreife ich die ernsthaftigkeit hinter dem thema religion. ich verstehe warum millionen von christen glauben. diese geschichten sind so absurd, die können gar nicht erfunden sein. künftig werde also auch ich mich an die christlichen gesetze halten. und endlich darf ich meinen sonntag so verbringen, wie ich es schon lange mache: mit nichts tun. doch dieses mal ohne schlechtes gewissen.

„aber am siebenten tag ist der sabbat des herrn, deines gottes, da sollst du kein werk tun, weder du, noch dein sohn, noch deine tochter, noch dein knecht, noch deine magd, noch dein vieh, noch dein fremdling, der in deinen toren ist.“ ich wusste es schon lange: ich bin ein guter christ.



DAS WORT ZUM SONNTAG: NR. 3
29. März 2009, 21:55
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wir leben in einem rechtsstaat. so viel ist sicher. und jeder der seit einigen jahren in der schweizer eidgenossenschaft heimisch ist, dürfte das wohl ähnlich sehen. das recht selber zu entscheiden scheint zwar vorhanden zu sein, die auswahlmöglichkeiten sind allerdings ähnlich beschränkt, wie die speisekarte von mc donalds. unsere rechte sind grössten teils pflichten. wir haben das recht unsere arbeitsstelle selber auszuwählen. dafür haben wir die pflicht, unser hart verdientes geld in form von steuerzahlungen wieder abzugeben. wir haben das recht unsere wohnung selber auszusuchen. dafür haben wir die pflicht, jeden wohnortswechsel umgehend der stadt oder der gemeinde mitzuteilen. wir verbringen unser leben damit, bürokratische abläufe mitzumachen um das recht zu haben, schweizer zu sein. ein rechtsstaat eben. doch warum gibt es zivilpersonen, vereine oder organisationen die mehr rechte haben als andere? warum bezahle ich busen wegen nachtruhestörung, währenddem mich andere tag für tag um den schlaf bringen? ich spreche hierbei von glocken. kirchenglocken um genau zu sein. die wohl beständigste lärmquelle in der geschichte der menschheit. und noch heute hat die kirche scheinbar das recht, zu leuten wann, wie oft aber vorallem wie laut sie will. doch wo ist dieses recht verankert?

es scheint hierbei handle es sich um das gewohnheitsrecht. doch wann wird eine sache den zur gewohnheit? wie lange geht es, bis eine regelmässige handlung recht wird? schliesslich habe auch ich gewohnheiten. ich habe mir zum beispiel angewöhnt, jedes wochenende einen höllen lärm zu veranstalten bei mir im monbijoupark. doch daran scheint sich bis heute niemand gewöhnt zu haben. im gegenteil. all zu regelmässig steht die gendarmerie vor der tür und bittet mich meist freundlich aber bestimmt zur ruhe. das ich dann aber jeden sonntag morgen gegen 09.00 uhr, gute 10 minuten penetrativen glockenlärm erdulden muss, daran stört sich wiederum niemand. wo bleibt da die fairness? wo bleibt da der rechtsstaat, der dieses unrecht verurteilt? wieso dürfen die, wenn ich nicht darf?

es liegt wohl im naturell des schweizers, solche fragen ganz einfach auszublenden. lieber erduldet man ein leben lang die missstände des alltags, als einmal zu fragen, ob man nicht vielleicht etwas daran ändern könnte. und so schreibe ich hier ein weiteres mal meine gedanken nieder ohne abzuklären, ob diese kirchenglocken nicht endlich schweigen könnten. das ich erst heute morgen aus dem schlaf gerissen wurde scheint bereits vergessen. ganz schweizerisch eben.



DAS WORT ZUM SONNTAG: NR. 2
22. März 2009, 23:13
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von killerspielen und killenden spielern

langsam aber sicher wundert es mich, dass noch immer mehr menschen aufgrund von amokläufen, als durch langeweile beim lesen der tageszeitungen sterben. seit jahren ist es immer wieder das selbe: irgend ein geistig verwirrter jugendlicher tötet eine hand voll menschen an einer schule und schon beginnt eine weitere hexenjagd auf die computerspiel industrie – mit dem hauptfokus auf gewalttätige ballerspiele. sogenannte „shooters“ oder im zeitgemässen chargon auch killerspiele genannt. es ist traurig aber wahr. doch die verantwortung in die imaginären schuhe eines computerspiels zu schieben ist wesentlich einfacher als sie dort zu suchen, wo sie auch wirklich zu finden ist: nämlich bei den erziehungsberechtigten.

gegen ende dieser repetativen zeitungs debatte lassen sich dann menschen wie zum beispiel hannes britschgi, seines zeichens chefredaktor des sonntags blicks, zu gewagten äusserungen hinleiten. selber unfähig pädagogische und erzieherische verpflichtungen wahr zu nehmen, lenkt er das augenmerk der öffentlichkeit auf die hersteller von computerspielen. zugegeben ist es fraglich wie weit solche killer-games mit moral und sitte harmonieren. aber in einem land, in welchem die ausbildung zum professionellen mörder in form eines militärobligatoriums fast unausweichlich ist, sollte man über solche umstände nicht diskutieren dürfen.

die verantwortung liegt bei jedem einzelnen. bei den eltern, ihre kinder auf den richtigen weg zu führen. oder bei menschen wie hannes britschgi um frühzeitig zu erkennen, dass man nicht fähig ist die salonfähige erziehung eines kindes sicherzustellen.

ich spreche aus erfahrung. meine jugend habe ich mit dem eliminieren digitaler kontrahenten verbracht – im versteckten und hinter dem rücken von vater und mutter wohlverstanden. doch zum massenmörder hat es mich nicht gemacht. selbst nach 100 stunden vor flimmerndem bildschirm und bewaffnet mit maus, tastatur und tiefkühlpizza um drei tage am stück spielen zu können. das lob gebührt meinen eltern. sie haben in schwierigen zeiten zugehört, probleme erkannt und sie dank offener und ehrlicher kommunikation gelöst. sie haben mir gezeigt warum das individuum zu schätzen ist und warum die probleme dieser welt nicht mit gewalt zu lösen sind. sie haben mir den unterschied zwischen einer fiktiven spiele welt und der realität nahe gebracht. und genau so wie die eltern meiner ebenfalls computerspielenden freunde hatten sie erfolg.

also lieber blick, lieber herr britschgi und alle anderen etwas ernstzunehmenderen tageszeitungen: die letzte hexe wurde 1782 grundlos hingerichtet. halten wir uns doch in der heutigen zeit an etwas stichaltigere fakten und geben zu, dass ein amoklauf nicht mit einem computerspiel zu rechtfertigen ist. das buhlen um die grösste leserschaft ist in der heutigen zeit zwar nachvollziehbar. trotzdem sollte man dabei ein gewisses grundmass an journalistischer professionalität voraussetzen können.



DAS WORT ZUM SONNTAG: NR. 1
15. März 2009, 22:17
Gespeichert unter: Wort zum Sonntag

der sonntag gehört für mich zu jenen tagen, an welchen man sich zeit nehmen kann, essenzielle fragen des lebens zu klären. er bietet einem die gelegenheit nichts zu tun. einfach mal da zu sitzen, nachzudenken und auf der umfangreichen karte des lebens seinen standort zu bestimmen. für die meisten ist der sonntag die ruhe vor dem sturm. es sind die letzten stunden die man in gelassenheit verbringen kann – bevor es montag morgen früh wieder in den stollen, ins büro, ins atelier oder an einen sonstigen arbeitsplatz geht. der sonntag gibt mir das gefühl der sklaverei des alltages entflohen zu sein. das gefühl selber entscheiden zu können was ich aus meinem leben mache. er vermittelt sogar die illusion, dass man für die tagelange arbeit angemessen entschädigt wurde. doch der sonntag lügt.

der sonntag ist das, was für die römer brot und spiele waren. ein bestechungsgeschenk des arbeitgebers um die belegschaft milde zu stimmen. vor langer zeit wurde uns der schabbat von gott persönlich geschenkt, heisst es. er solle gelegenheit bieten uns zu regenerieren, neue kräfte zu sammeln. neue kräfte also um am tag danach wieder umso härter zu arbeiten. und auch wenn der sonntag aufgrund von angepassten arbeitsgesetzen und variablen ladenöffnungszeiten an bedeutung verloren hat, ist er doch für viele noch immer ein heiliger ruhetag. er ist die wohl scharfsinnigste erfindung der kirche. ein einziger tag pro woche entschädigt für nahezu lebenslange unterdrückung. und ich falle darauf rein…